Ermöglichen Sie zuverlässige Funkverbindungen, indem Sie den entscheidenden Unterschied verstehen, ob man ein Ziel nur sieht oder ob man tatsächlich eine Verbindung herstellen kann. Dieser Leitfaden erklärt die Wissenschaft dahinter und bietet die Werkzeuge für eine perfekte Planung.
Visuelle vs. RF-Sichtlinie
Das häufigste Missverständnis bei drahtlosen Netzwerken ist die Annahme, dass man ein Signal übertragen kann, nur weil man einen Ort sehen kann. Die Realität ist komplexer: Radiowellen breiten sich als Welle aus, nicht als laser dünner Strahl. Sie benötigen ein freies Raumvolumen, nicht nur einen einzelnen Pfad.
Visuelle Sichtlinie (VLoS)
Eine einfache, gerade Linie von Punkt A nach Punkt B. Eine Behinderung liegt nur vor, wenn etwas diese Linie direkt unterbricht.
RF-Sichtlinie (LoS)
Ein dreidimensionales, ellipsoidförmiges Volumen zwischen zwei Antennen. Hindernisse in der Nähe des Pfades können das Signal massiv beeinträchtigen.
Die Wissenschaft hinter dem Signal
Die Fresnelzone
Das wichtigste Konzept bei der RF-Sichtlinie ist die Fresnelzone. Es ist ein ellipsoidförmiger Bereich um den direkten Signalpfad. Für eine stabile Verbindung muss diese Zone weitgehend frei von Hindernissen sein.
Die Faustregel: Mindestens 60 % der ersten Fresnelzone müssen für eine zuverlässige Verbindung frei von Hindernissen sein. Mehr ist immer besser.
Hindernis
Erdkrümmung
Über weite Distanzen wird die Erde selbst zum Hindernis! Die Erdkrümmung, auch „Erdbuckel“ genannt, kann in den Signalpfad hineinragen und die Fresnelzone blockieren.
Deshalb benötigen Langstreckenverbindungen hohe Türme – nicht nur um Bäume zu überragen, sondern um die Krümmung der Erde zu überwinden.
Pfad durch Erdkrümmung blockiert
Interaktiver Link-Planer
Ist Ihre Verbindung machbar? Passen Sie die Parameter unten an, um Ihre Funkstrecke zu modellieren. Das Diagramm visualisiert den Pfad, die Fresnelzone und die Erdkrümmung für ein sofortiges Ergebnis.
Lösungen & Häufige Fragen
- Antennenhöhe erhöhen: Die effektivste Lösung. Höhere Masten helfen, sowohl Hindernisse am Boden als auch den Erdbuckel zu überwinden.
- Relaispunkt nutzen: Bei sehr langen Distanzen oder unpassierbaren Hindernissen wie Bergen nutzen Sie einen dritten Standort als „Repeater“.
- Hindernisse entfernen: Falls möglich, kann das Zurückschneiden von Bäumen in der Fresnelzone die Signalqualität erheblich verbessern.
- Frequenz anpassen: Niedrigere Frequenzen (z. B. 900 MHz) durchdringen Hindernisse besser als hohe (5 GHz oder 60 GHz), welche eine perfekte LoS benötigen.







