So kopieren Sie ein Programm von einem Mikrocontroller: Eine umfassende Anleitung

Das Kopieren eines Programms von einem Mikrocontroller ist häufig erforderlich, beispielsweise zum Testen, für Sicherungszwecke, zum Reverse Engineering oder um zu lernen, wie man Firmware besser vor unbefugtem Zugriff schützen kann. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass das Kopieren von Firmware ohne die Genehmigung des Urhebers gegen Gesetze zum Schutz geistigen Eigentums verstoßen kann. Dieser Leitfaden bietet einen ausgewogenen Ansatz, der theoretische Grundlagen mit praktischen Schritten kombiniert, um zu zeigen, wie man Mikrocontroller-Firmware mit Tools wie JFlash extrahieren kann.

Übersicht über Mikrocontroller und Firmware-Kopieren

Mikrocontroller (MCUs) sind eingebettete Prozessoren, die in Geräte für bestimmte Funktionen integriert sind, wie beispielsweise Sensoren, Haushaltsgeräte oder industrielle Steuerungen. Die auf einem MCU gespeicherte Firmware oder das Programm steuert dessen Betrieb. Für einige Aufgaben – wie beispielsweise die Sicherung der Firmware oder die Überprüfung der Programmintegrität – ist das Kopieren des Programms vom MCU unerlässlich. Dieser Vorgang umfasst in der Regel:

  • Lesen des Speichers (Flash oder EEPROM) der MCU.
  • Speichern der extrahierten Daten in einem nutzbaren Format, z. B. .hex oder .bin.
  • Zurückflashen des kopierten Programms auf die MCU, um dessen Integrität zu überprüfen.

Ethische und rechtliche Überlegungen

Das Kopieren von Firmware kann zwar legitimen Zwecken dienen, beispielsweise zum Erstellen von Sicherungskopien oder zum Testen der Programmfunktionalität, doch das unbefugte Kopieren oder Reverse Engineering von urheberrechtlich geschützter Software ist unethisch und kann illegal sein. Vergewissern Sie sich immer, dass Sie über die erforderliche Genehmigung verfügen, bevor Sie Firmware von einem Gerät kopieren.

Benötigte Werkzeuge und Ausrüstung

Um ein Programm von einem Mikrocontroller zu kopieren, sind folgende Werkzeuge erforderlich:

Hardware:

  • JLink-Debugger (z. B. JLink V9)
  • Ein Entwicklungsboard oder eine Ziel-MCU (z. B. STM32F103RE)
  • SWD-Schnittstellenkabel (Serial Wire Debug) (SWDIO, SWCLK, GND)

Software:

  • JFlash (zum Herunterladen und Lesen von Firmware)
  • JFlashLite (eine vereinfachte Version von JFlash für grundlegende Vorgänge)
  • JLinkGDBServer (wird mit Debuggern von Drittanbietern verwendet, z. B. Eclipse für die STM32-Entwicklung)
  • JLink-Befehlsfenster (befehlsbasierte Schnittstelle für JLink-Operationen)

Schrittweise Vorgehensweise: Lesen und Kopieren von MCU-Programmen

Dieser Abschnitt beschreibt den gesamten Prozess unter Verwendung der JFlash-Software am Beispiel des Mikrocontrollers STM32F103RE.

Schritt 1: JFlash-Software installieren und konfigurieren

Stellen Sie nach der Installation der JFlash-Software sicher, dass der JLink-Treiber korrekt installiert ist. Dieser Treiber ermöglicht den Zugriff auf Tools wie:

  • JFlash für erweitertes Auslesen und Flashen von Programmen.
  • JFlashSPI zum Programmieren von SPI-Speichergeräten (z. B. W25Q128).
  • JLinkGDBServer zum Debuggen von MCU-Code über Software von Drittanbietern.
SEGGER J Link V8.10b 64 bit Windows Setup
SEGGER - J-Link V8.10b (64-bit Windows) Setup

Schritt 2: Erstellen Sie ein neues Projekt in JFlash

  1. Öffnen Sie JFlash und wählen Sie „Datei“ -> „Neues Projekt“.
  2. Wählen Sie das gewünschte MCU-Modell aus der Liste aus (z. B. STM32F103RE). JFlash unterstützt viele ARM Cortex-M-basierte Mikrocontroller.
Select and Open the JFlash Tool
Select and Open the JFlash Tool
Create New Project on SEGGER J Flash
Create New Project on SEGGER J-Flash
Choose the STM32F103RE MCU from Device List
Choose the STM32F103RE MCU from Device List

Schritt 3: Verbindung zum Mikrocontroller herstellen

  1. Bei Verwendung der SWD-Schnittstelle verbinden Sie die Pins SWDIO, SWCLK und GND zwischen dem JLink-Debugger und der MCU.
  2. Klicken Sie in JFlash auf „Target“ -> „Connect“, um eine Verbindung herzustellen. Eine erfolgreiche Verbindung wird im LOG-Fenster protokolliert.
Establish a Connection Between Micro Chip and J Flash Software
Establish a Connection Between Micro Chip and J-Flash Software

Schritt 4: Lesen Sie das Programm vom Mikrocontroller

  1. Wählen Sie in JFlash „Ziel“ -> „Manuelle Programmierung“ -> „Zurücklesen“.
Specify the Flash Address Range for Reading
Specify the Flash Address Range for Reading
Set Address Range as
Set Address Range as 0x8000000~0x807FFFF

2. Wählen Sie eine der folgenden Optionen, um bestimmte Speicherbereiche zu lesen:

  • Ausgewählte Sektoren: Nur die angegebenen Sektoren, konfigurierbar unter Projekteinstellungen -> Flash.
  • Gesamter Chip: Kopiert den gesamten Flash-Speicherbereich (empfohlen). Für STM32F103RE liegt der Adressbereich zwischen 0x08000000 und 0x0807FFFF.
  • Bereich: Geben Sie manuell einen benutzerdefinierten Adressbereich zum Kopieren an.
Configure the Sector Selection under Project Settings Flash
Configure the Sector Selection under Project Settings - Flash
Read Entire Chip of the Flash Area
Read Entire Chip of the Flash Area

3. Wählen Sie „Entire Chip“ (Gesamter Chip), um die gesamte Firmware zu lesen. Nach Abschluss des Vorgangs zeigt die Software im Protokollfenster eine Erfolgsmeldung an.

Schritt 5: Speichern Sie die extrahierte Firmware

  1. Gehen Sie zu „Datei“ -> „Datendatei speichern“ oder „Datendatei speichern unter“.
  2. Wählen Sie Hex (.hex) als bevorzugtes Format, das sowohl Daten- als auch Adressinformationen enthält.
Save Data File as Hex Format
Save Data File as Hex Format

Schritt 6: Überprüfen Sie das extrahierte Programm

  1. Flashen Sie die extrahierte Firmware zurück in die MCU, um den Kopiervorgang zu überprüfen.
  2. Vergleichen Sie das Verhalten des Geräts mit der ursprünglichen Konfiguration, um sicherzustellen, dass das Programm korrekt kopiert wurde.

Praktische Überlegungen und mögliche Probleme

Flash-Speicher-Sperrbits

Einige Mikrocontroller verfügen über einen Leseschutz (RDP) oder Sperrbits, die einen unbefugten Zugriff auf den Programmspeicher verhindern. Wenn die MCU geschützt ist, zeigt die JFlash-Software eine Fehlermeldung an. Das Deaktivieren des Schutzes ohne Genehmigung ist illegal und verstößt gegen die Richtlinien des Herstellers.

SWD-Verbindungsstabilität

Stellen Sie sicher, dass die SWD-Pins sicher verbunden sind. Instabile Verbindungen können zu unvollständiger Datenextraktion oder beschädigten Firmware-Kopien führen.

Datenintegrität

Überprüfen Sie das kopierte Programm immer, indem Sie es erneut in die MCU flashen und unter realen Bedingungen testen. So stellen Sie sicher, dass während des Lesevorgangs keine Daten verloren gegangen oder verändert worden sind.

Anwendung von Programmkopiertechniken

Das Kopieren von Programmen wird in verschiedenen Szenarien verwendet, darunter:

  • Sicherung und Wiederherstellung: Erstellen Sie Sicherungskopien wichtiger Firmware, um Funktionsverluste beim Austausch der MCU zu vermeiden.
  • Produktentwicklung: Analysieren und testen Sie Firmware, um zu verstehen, wie verschiedene Codesegmente mit der Hardware interagieren.
  • Sicherheitstests: Erfahren Sie, wie Angreifer versuchen könnten, Firmware zu kopieren, und implementieren Sie stärkere Schutzmaßnahmen (z. B. Aktivierung von RDP oder Verschlüsselung).

Fazit

Das Kopieren eines Programms von einem Mikrocontroller, wie beispielsweise der STM32-Serie, ist eine technisch anspruchsvolle, aber mit Tools wie JFlash durchaus machbare Aufgabe. Der Vorgang umfasst das Auslesen und Speichern des Programmspeichers, erfordert jedoch auch die Beachtung von Hardware-Verbindungen, Firmware-Schutz-Einstellungen und ethischen Grenzen.

Durch die Beherrschung dieses Prozesses können Entwickler ihr Wissen über eingebettete Systeme erweitern, sichere Backups durchführen und ihre Firmware vor unbefugter Vervielfältigung schützen. Es ist jedoch von entscheidender Bedeutung, die Gesetze zum Schutz geistigen Eigentums zu beachten und diese Fähigkeiten verantwortungsbewusst einzusetzen.

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